Hidradenitis suppurativa (Akne inversa): Scoring im Wundzentrum verkürzt den Weg zur Diagnose
Wiederkehrende schmerzhafte Knoten und Abszesse in Achseln, Leisten oder unter der Brust werden häufig jahrelang als „Furunkel“ oder „Pickel“ behandelt. Im Wundzentrum Mölln-Ratzeburg erkennen wir den Verdacht auf eine Hidradenitis suppurativa früh – und sorgen dafür, dass die Diagnose zügig gesichert und behandelt wird.

Was ist Hidradenitis suppurativa?
Die Hidradenitis suppurativa (HS) – auch Akne inversa oder Morbus Verneuil genannt – ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung. Typisch sind wiederkehrende, sehr schmerzhafte Knoten, Abszesse und Fistelgänge an Stellen, an denen Haut auf Haut liegt: Achseln, Leisten, Gesäß, Innenseiten der Oberschenkel und der Bereich unter der Brust. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr und verläuft in Schüben. Sie ist weder ansteckend noch eine Frage mangelnder Hygiene.
Für die Betroffenen bedeutet HS weit mehr als eine Hauterkrankung: Dauerschmerz, Wundsekret und Gerüche führen häufig zu Scham, Rückzug und Krankschreibungen. Depressionen, Angststörungen, Schmerzstörungen, Adipositas und Diabetes treten deutlich häufiger auf als bei Menschen ohne HS.
Das Problem: Jahre bis zur richtigen Diagnose
Der größte Nachteil für Betroffene ist die späte Diagnose. Einzelne Abszesse werden gespalten, Antibiotika verordnet, der nächste Schub kommt – ohne dass die Erkrankung als Ganzes erkannt wird. Bis zur richtigen Diagnose vergehen international häufig sieben bis zehn Jahre. In dieser Zeit schreitet die Erkrankung fort: Aus entzündlichen Knoten werden Fistelsysteme und Narbenstränge, die sich medikamentös nicht mehr zurückbilden. Genau diese Zeit wollen wir verkürzen.
Unser Weg: Scoring, Steuerung, frühe Therapie
Im Wundzentrum Mölln-Ratzeburg nutzen wir ein strukturiertes Scoringverfahren, um schnell eine Verdachtsdiagnose zu stellen. Das Scoring ersetzt keine ärztliche Diagnose – es sorgt dafür, dass der Verdacht überhaupt entsteht und dass die richtige Diagnostik gezielt eingeleitet wird.
1. Scoring beim Erstkontakt
Unsere Fachpflegekräfte erfassen strukturiert Lokalisation, Knoten, Abszesse, Fistelgänge, Narben, Schübe und Schmerzverlauf. Daraus entsteht innerhalb eines Termins eine belastbare Verdachtsdiagnose.
2. Steuerung in die fachärztliche Diagnostik
Bei begründetem Verdacht steuern wir gezielt in die dermatologische bzw. chirurgische Abklärung. Dort wird die Diagnose gesichert und der Schweregrad bestimmt – ohne Umwege über wiederholte Abszessbehandlungen.
3. Frühe medikamentöse Therapie
Weil Verdacht und Abklärung eng verzahnt sind, verkürzt sich die Zeit zwischen ersten Symptomen und dem Start einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie deutlich.
4. Begleitung im Verlauf
Das Case Management bleibt Ansprechpartner: Termine, Wundversorgung zwischen den Schüben, Dokumentation und die Abstimmung zwischen Hausarztpraxis, Fachärzt:innen und Klinik.
Warum frühe Erkennung auch die Versorgung entlastet
Eine aktuelle Auswertung von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (2020–2022) zeigt, wie hoch die Krankheitslast ist:
der gesetzlich Versicherten in Deutschland hatten 2020–2022 eine dokumentierte HS-Diagnose – die Dunkelziffer liegt deutlich höher.
der Betroffenen sind Frauen; die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter.
Betroffenen erlebt bereits in den ersten zwei Jahren nach Diagnosestellung einen Schub mit Notfall- oder Krankenhausbehandlung.
höhere jährliche Gesundheitskosten gegenüber Menschen ohne HS – vor allem durch Krankenhausaufenthalte.
Datenbasis: Bechara FG, Melnik S, Möllers T et al., „Burden of hidradenitis suppurativa in Germany: a retrospective claims data analysis and comparison with non-HS patients“, JDDG 2026.
Je früher die Diagnose steht und eine medikamentöse Therapie beginnt, desto seltener sind akute Schübe, Notfallbehandlungen und ausgedehnte Operationen. Früherkennung ist damit nicht nur für die Betroffenen entlastend, sondern auch für Praxen, Kliniken und Kostenträger.

Wann Sie einen Termin vereinbaren sollten
- wiederkehrende schmerzhafte Knoten oder Abszesse in Achseln, Leisten, Gesäß oder unter der Brust
- zwei oder mehr Episoden innerhalb eines halben Jahres an derselben Stelle
- nässende Stellen, Fistelgänge oder auffällige Narbenstränge
- bereits mehrfach gespaltene „Furunkel“ ohne dauerhafte Besserung
Patient:innen, Angehörige und zuweisende Praxen können Termine online buchen; die Erstberatung ist auf Wunsch auch als Videosprechstunde möglich. Die Behandlung findet in der Regel im Wundzentrum statt, bei medizinischem oder persönlichem Bedarf auch in der Häuslichkeit.
